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1 Wie würden Sie die Ästhetik Ihres Films beschreiben?
Ich wollte die Grenzen, der gewöhnlichen Reportage, die man so häufig in
Dokumentarfilmen findet, ein wenig verschieben. Ich habe DV-Material, Photos und Archiv-Aufnahmen sowohl narrativ als auch dokumentarisch kombiniert. Darüber hinaus habe ich quasi sublime Nachrichten inkorporiert -
konkret die Worte: "The Jewish Question". Diese Worte blitzen kurz an einigen thematisch relevanten Stellen über die Leinwand, um zu verdeutlichen, dass die "Jüdisch Autonome Region " als Antwort
auf die "jüdische Frage" ins Leben gerufen wurde. Wir benutzten einen sehr faszinierenden Sovietischen Propaganda Film von 1934 "Sucher des Glücks", den übrigens niemand ausserhalb der
Sovietunion kennt, um einen ironischen Gegenpunkt zu den Aufnahmen zu setzen, die ich vor Ort gedreht hatte.Alle Schauspieler in diesem Film waren vom Moskauer Ydischen Staats-Theater (welches unter der
künstlerischen Leitung des berühmten Yddischen Schauspielers Solomon Mikhoels stand, der Stalin unterstützte und der später unter Stalins zunehmend wahnsinnigem Wüten ermordert wurde). Tatsächlich wurden alle
Schauspieler auf die ein oder andere Weise drangsaliert, von Repressionen zu Gefägnis bis hin zu Mord. In diesem Zusammenhang hat dieser Film und seine Begleitumstände meine dokumentarische Vision unterstützt.
2 Warum entschieden Sie sich, diesen Film auf DV zu drehen?
Zunächst einmal waren die Kosten ein Hauptfaktor. I habe einen Spielfilm auf 35
mm gedreht und die FilmCrew war enorm und es gab diese ständige Sorge, bloss nicht zu viel Filmmaterial zu belichten. Mit DV konnte ich soviel drehen, wie ich wollte und die Mannschaft war minimal (häufig waren es
nur ich,mein kameramann und ein Assistent). Hinzu kommt dass wenn dein Protagonist bereit ist, sich dir zu öffnen, können die Interviews bis zu einer Stunde nonstop gehen. Mit 35mm hast du 11-12 min maximal und
jedes nachladen der Kamera unterbricht den Interviewfluss. Dies war ein ebenso wichtiger Faktor bei der Auswahl des Formats. Hinzu kam, dass wir an engen Orten gedreht haben (ein Zug, ein Auto, eine kleine Wohnung)
- eine 35 mm Kamera mit all ihrem zusätzlichen Equippment wäre hier völlig unmöglich gewesen. Mit Dv konnten wir in einem kleiinen Abteil mit 6 Passagieren filmen. Und es gab einige Situationen wo wir die Kamera
schnell zur Hand haben mussten - und mit einer 35mm Kamera kannst du nicht rennen. Letztendlich war der ausschlaggebende Grund die Tatsache, dass wir in Gegenden filmen würde, in denen großes Mißtrauen und Paranoia
vorherrschen. Man kann mit einer 35mm nicht diskret sein - mit dv geht man als Tourist durch.
3 Was war besonders daran, auf DV zu drehen (verglichen z.B. mit 16oder
35mm)? War es für Sie das erste Mal, oder kannten Sie das Format schon?
Zu DV s.o.. Ja, es war mein erster Dreh auf DV - wenn auch nicht mein erster
Film auf Cassette (meine vorherigen zwei Dokumentarfilme "The Last Klezmer" und "Carpati: 50 Miles, 50 Years" waren auf Hi-8 gefilmt worden und danach auf Film aufgeblasen worden). In den
nächsten zwei Monaten werde ich mit dem Schnitt eines weiteren Dokumentarfilms beginnen, den ich ebenfalls auf DV gefilmt habe.
4 Welche Kamera und Schnittsoftware haben Sie verwendet?
Wir haben mit einer Canon Mini-DV Kamera gefilmt uund auf Avid geschnitten.
5 Welches Drehverhältnis hatte der Film?
1-3
6 Hätten Sie im nacherein vielleicht doch lieber ein anderes Format gewählt?
Es hängt alles davon ab, was für ein Film es ist und wie die
Produktionsbedingungen sind. Wenn der Film sich 35mm angedient hätte (nicht weil es halt 35mm ist, sondern auf Grund von Farbe, Bild und Thema) dann hätte ich vielleicht auf 35mm gedreht. Aber da die
Dokumentarfilme, die ich mache, sich mit sozial-politischen Themen auseinandersetzen (im Gegensatz zu Naturlandschaften), sehe ich für die Zukunft erst mal keine Notwendigkeit für eine 35mm Produktion. Sogar mein
nächstes erzählerisches Feature wird in DV geflmt.
7 Da Sie schon auf DV drehen - würden Sie auch
andereDistributionsmöglichkeiten als die heute etablierten in Betracht ziehen? Wenn ja, welche?
Nein. Augenscheinlich eignet es sich gut für eine Distribution via Fernsehen
und Video - und zunehmend bieten Kinos die Möglichkeit, Cassetten abzuspielen. Aber unter´m Strich bleibt bestehen: Es sind die Qualität und der Inhalt deines Films, welche den Markt bestimmen. Und DV lässt siich
sehr gut auf 35mm aufblasen - das werden wir höchstwarscheinlich auch mit "L'Chayim, Comrade Stalin" machen.
8 Ein gutes Wort (oder zwei) über DV:
Ich glaube ich hab schon einige gute Worte drüber verloren. Aber ein letzter
Gedanke: DV ebnet das Spielfeld für den Independent Filmer, weil Geld hier nicht das entscheidende Kriterium ist. Jeder glaubt jetzt einen Film machen zu können, aber nur diejenigen, die über Talent und das Vermögen
verfügen, eine Geschichte zu erzählen, werden einen guten Film machen - ganz gleich auf welchem Format.
9 Ein schlechtes Wort (oder zwei) über DV:
Wenn du im Freien arbeitest, Landschaften und Panoramen aufnehmen willst,
erhälst du nicht so viele Details wie auf 35mm. Du bekommst nicht die Reichhaltigkeit des Farbspektrums. Weil die Kamera so leicht ist, gibt es eine Gefahr, damit umherzuwackeln, ohne dass man es gross mitbekommt.
Wenn du wackeln willst, ist es O.K. aber wennn du´s nicht willst, musst du extra aufpassen bei Freihand oder Stativ. Und selbst bei der enormen Entwicklung, die DV nahezu wöchentlich weiter nimmt, gibt es immmer
noch ein wenig Verlust, wenn man auf 35mm fazt.
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