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USA 2002

10.02., 17.30 / Arsenal 1
11.02., 16.30 / CineStar 8

Format: Video, s/w und Farbe
Länge: 90 Minuten
Sprache: jiddisch, russisch, englisch

Im Frühjahr 2000 begab sich Yale Strom auf die beschwerliche Reise nach Birobidshan, der Hauptstadt des Jüdischen Autonomen Gebiets an der östlichen Grenze Sibiriens. Auf seiner siebentägigen Zugreise mit der Transsibirischen Eisenbahn wird er von seinem Übersetzer und Bodyguard, Slawa Andrejowitsch, einem ehemaligen KGB-Mann, begleitet. Dabei entdeckt er, dass Slawa der Enkel von Michail Kalinin ist, dem ‘Präsidenten’ der Sowjetunion (Vorsitzender des Obersten Sowjets) und Wegbereiter des Jüdischen Autonomen Gebiets. Doch Slawa entpuppt sich auch als ein ausgesprochener Antisemit, obwohl er Yale gut leiden kann. Die endlose Zugreise und der beiläufige Antisemitismus der russischen Mitreisenden lassen Yale Strom ahnen, wie die Erfahrungen der ersten jüdischen Pioniere gewesen sein müssen, die sich 1928 in dieser Region ansiedelten. [aus dem Forumprogramm]

 

1 Wie würden Sie die Ästhetik Ihres Films beschreiben?

Ich wollte die Grenzen, der gewöhnlichen Reportage, die man so häufig in Dokumentarfilmen findet, ein wenig verschieben. Ich habe DV-Material, Photos und Archiv-Aufnahmen sowohl narrativ als auch dokumentarisch kombiniert. Darüber hinaus habe ich quasi sublime Nachrichten inkorporiert - konkret die Worte: "The Jewish Question". Diese Worte blitzen kurz an einigen thematisch relevanten Stellen über die Leinwand, um zu verdeutlichen, dass die "Jüdisch Autonome Region " als Antwort auf die "jüdische Frage" ins Leben gerufen wurde. Wir benutzten einen sehr faszinierenden Sovietischen Propaganda Film von 1934 "Sucher des Glücks", den übrigens niemand ausserhalb der Sovietunion kennt, um einen ironischen Gegenpunkt zu den Aufnahmen zu setzen, die ich vor Ort gedreht hatte.Alle Schauspieler in diesem Film waren vom Moskauer Ydischen Staats-Theater (welches unter der künstlerischen Leitung des berühmten Yddischen Schauspielers Solomon Mikhoels stand, der Stalin unterstützte und der später unter Stalins zunehmend wahnsinnigem Wüten ermordert wurde). Tatsächlich wurden alle Schauspieler auf die ein oder andere Weise drangsaliert, von Repressionen zu Gefägnis bis hin zu Mord. In diesem Zusammenhang hat dieser Film und seine Begleitumstände meine dokumentarische Vision unterstützt.

2 Warum entschieden Sie sich, diesen Film auf DV zu drehen?

Zunächst einmal waren die Kosten ein Hauptfaktor. I habe einen Spielfilm auf 35 mm gedreht und die FilmCrew war enorm und es gab diese ständige Sorge, bloss nicht zu viel Filmmaterial zu belichten. Mit DV konnte ich soviel drehen, wie ich wollte und die Mannschaft war minimal (häufig waren es nur ich,mein kameramann und ein Assistent). Hinzu kommt dass wenn dein Protagonist bereit ist, sich dir zu öffnen, können die Interviews bis zu einer Stunde nonstop gehen. Mit 35mm hast du 11-12 min maximal und jedes nachladen der Kamera unterbricht den Interviewfluss. Dies war ein ebenso wichtiger Faktor bei der Auswahl des Formats. Hinzu kam, dass wir an engen Orten gedreht haben (ein Zug, ein Auto, eine kleine Wohnung) - eine 35 mm Kamera mit all ihrem zusätzlichen Equippment wäre hier völlig unmöglich gewesen. Mit Dv konnten wir in einem kleiinen Abteil mit 6 Passagieren filmen. Und es gab einige Situationen wo wir die Kamera schnell zur Hand haben mussten - und mit einer 35mm Kamera kannst du nicht rennen. Letztendlich war der ausschlaggebende Grund die Tatsache, dass wir in Gegenden filmen würde, in denen großes Mißtrauen und Paranoia vorherrschen. Man kann mit einer 35mm nicht diskret sein - mit dv geht man als Tourist durch.

3 Was war besonders daran, auf DV zu drehen (verglichen z.B. mit 16oder 35mm)? War es für Sie das erste Mal, oder kannten Sie das Format schon?

Zu DV s.o.. Ja, es war mein erster Dreh auf DV - wenn auch nicht mein erster Film auf Cassette (meine vorherigen zwei Dokumentarfilme "The Last Klezmer" und "Carpati: 50 Miles, 50 Years" waren auf Hi-8 gefilmt worden und danach auf Film aufgeblasen worden). In den nächsten zwei Monaten werde ich mit dem Schnitt eines weiteren Dokumentarfilms beginnen, den ich ebenfalls auf DV gefilmt habe.

4 Welche Kamera und Schnittsoftware haben Sie verwendet?

Wir haben mit einer Canon Mini-DV Kamera gefilmt uund auf Avid geschnitten.

5 Welches Drehverhältnis hatte der Film?

1-3

6 Hätten Sie im nacherein vielleicht doch lieber ein anderes Format gewählt?

Es hängt alles davon ab, was für ein Film es ist und wie die Produktionsbedingungen sind. Wenn der Film sich 35mm angedient hätte (nicht weil es halt 35mm ist, sondern auf Grund von Farbe, Bild und Thema) dann hätte ich vielleicht auf 35mm gedreht. Aber da die Dokumentarfilme, die ich mache, sich mit sozial-politischen Themen auseinandersetzen (im Gegensatz zu Naturlandschaften), sehe ich für die Zukunft erst mal keine Notwendigkeit für eine 35mm Produktion. Sogar mein nächstes erzählerisches Feature wird in DV geflmt.

7 Da Sie schon auf DV drehen - würden Sie auch andereDistributionsmöglichkeiten als die heute etablierten in Betracht ziehen? Wenn ja, welche?

Nein. Augenscheinlich eignet es sich gut für eine Distribution via Fernsehen und Video - und zunehmend bieten Kinos die Möglichkeit, Cassetten abzuspielen. Aber unter´m Strich bleibt bestehen: Es sind die Qualität und der Inhalt deines Films, welche den Markt bestimmen. Und DV lässt siich sehr gut auf 35mm aufblasen - das werden wir höchstwarscheinlich auch mit "L'Chayim, Comrade Stalin" machen.

8 Ein gutes Wort (oder zwei) über DV:

Ich glaube ich hab schon einige gute Worte drüber verloren. Aber ein letzter Gedanke: DV ebnet das Spielfeld für den Independent Filmer, weil Geld hier nicht das entscheidende Kriterium ist. Jeder glaubt jetzt einen Film machen zu können, aber nur diejenigen, die über Talent und das Vermögen verfügen, eine Geschichte zu erzählen, werden einen guten Film machen - ganz gleich auf welchem Format.

9 Ein schlechtes Wort (oder zwei) über DV:

Wenn du im Freien arbeitest, Landschaften und Panoramen aufnehmen willst, erhälst du nicht so viele Details wie auf 35mm. Du bekommst nicht die Reichhaltigkeit des Farbspektrums. Weil die Kamera so leicht ist, gibt es eine Gefahr, damit umherzuwackeln, ohne dass man es gross mitbekommt. Wenn du wackeln willst, ist es O.K. aber wennn du´s nicht willst, musst du extra aufpassen bei Freihand oder Stativ. Und selbst bei der enormen Entwicklung, die DV nahezu wöchentlich weiter nimmt, gibt es immmer noch ein wenig Verlust, wenn man auf 35mm fazt.

 

AVIDStonehead Cut

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