| R: Aljoscha Weskott, Marietta Kesting
Land: Deutschland, Südafrika 2010
Drehformat: HDV
Format: HDcam, Farbe
Länge: 87 Minuten
Sprache: Englisch
mehr Informationen |
Es gibt unzählige Sun Citys auf der Welt. Die vielleicht berühmteste, sicher aber bizarrste ist die Sun City in Südafrika – ein riesiges Ressort, mit Disco und Casino und Swimmingpools, zwei Autostunden nördlich von Johannesburg. Es wurde in den 80er Jahren gebaut, als das Apartheidsystem jede Begegnung zwischen Schwarz und Weiß zu verhindern suchte. Außer: in Sun City. Unter dem Vorzeichen vermeintlich unpolitischen Entertainments entstand hier ein touristisches Labor für radikale politische Experimente bzw. eine real-irreale "Zone". Es ist das Verdienst des Films, sie als solche erkennbar zu machen. [aus dem Forumprogramm]
INTERVIEW Wie würden Sie die Ästhetik Ihres Films beschreiben?
Der Film wechselt zwischen ruhigen und beschleunigten Phasen - einerseits tableauartige Aufnahmen, andererseits sehr grobe, fast schmutzige dokumentarische Bilder. Die Ästhetik des Films wird von diesem Verhältnis bestimmt, das man paradoxerweise als „unordentlichen Manierismus“ bezeichnen könnte. Trotz des Andeutens und Referierens auf unterschiedliche Genres wie beispielsweise Essayfilm, Dokumentarfilm, Werbeästhetik, Soap Opera und Melodrama bestimmt letztendlich eine experimentell angelegte dokumentarisch-essayistische Form die Gesamtästhetik des Films.
Warum entschieden Sie sich, diesen Film digital zu drehen -- nur aus finanziellen Gründen, oder gab es auch ästhetische Überlegungen?
Nein, nicht unbedingt nur aus finanziellen Gründen. Es ging ebenso um eine bestimmte Mobilität, die wir erreichen wollten. Die historische Vorlage waren daher auch die Cinema Verité-Teams, aber auch die TV-Reportagen der 60er Jahre, wie die Reportagen von Gerd Ruge aus Amerika, die noch auf Film drehten. Auch interessierten uns B-Movie-Campfilme, also einfache Szenen, die kein Set, keine Maske etc. benötigen und einer 1980er Jahre Videoästhetik entsprechen. Für uns war aber Film letztendlich nicht vorstellbar, vor allem logistisch nicht. Daher war die Kombination von Super 8 und HDV genau richtig für unser kleines Team. Diese Film- bzw. Videomaterialien halfen uns auch Ununterscheidbarkeiten zwischen Gegenwart und Vergangenheit, gestern und heute, zu produzieren.
Auf welchem digitalen Format wurde Ihr Film gedreht (MiniDV, DVCAM, HDV, HD etc.), und warum haben Sie gerade dieses gewählt?
Wir haben ein wenig auf MiniDV, aber vornehmlich auf HDV gedreht. HDV hat nicht nur die bessere Auflösung, sondern erschien uns etwas farbintensiver und kräftiger. Daher probierten wir es.
Was war besonders daran, digital zu drehen (verglichen z.B. mit 16 oder 35mm)? War es für Sie das erste Mal, oder kannten Sie das Format schon?
Wir kannten das Format schon, ehrlich gesagt kennen wir hauptsächlich nur das digitale Format, zumindest beim Filmen, in der Photographie arbeiten wir noch ganz analog auf Film Es wäre eine große Herausforderung einmal auf 16mm zu drehen. Das wünschen wir uns für die Zukunft
Welches Drehverhältnis hatte der Film?
Wir hatten 40 Stunden Material, der Film ist 87 Minuten lang.
Ein gutes Wort (oder zwei) über DV (bzw. HDV / HD):
Positiv ist, wie gesagt, die ungeheure Mobilität, dieses mitunter schnelle Bildermachen, was für uns notwenig war. Da mehrere Szenen nur in einem „embedded tourism“-Modus zu drehen waren. Außerdem ist HDV etwas farbintensiver als DV, aber das sagten wir ja schon.
Ein schlechtes Wort (oder zwei) über DV (bzw. HDV / HD):
Negativ bleibt das klinische Bild, das nicht auszuhalten ist und die Tatsache, dass die Bilder aufwendig nachbearbeitet werden müssen, weil der Look nicht stimmt. Auch das Schärfeziehen ist nicht ideal bei HDV. HDV ist ein seltsames Zwischenformat, noch nicht ganz ausgereift und auch in der Post-Produktion kompliziert.
|